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Burnout

von Ursula Narath

Im August Blog sind mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen zu finden, also bemühe ich mich in der September Ausgabe verstärkt um Aussagen. Da waren also die Begriffe burn-out/Depression und Kapitalismus. Schon an der Stelle kann gesagt werden: die Existenz des Kapitalismus ist unleugnenbar, die Existenz von Burnout als eigenständiges Krankheitsbild ist hingegen umstritten.

Zur Kapitalismusdefinition gehören "Privateigentum von Produktionsmitteln" und Streben nach Gewinn, mit dieser Grunddefinition arbeite ich vorerst weiter.

Das Gewinnstreben, oder der Gewinn - ist anders als das Erfolgsstreben - eine besser objektivierbare Größe, daher scheint dem Gewinn eine rationale Seite inne zu wohnen. Allerdings ist noch unklar, ob Gewinn zu Freude/Zufriedenheit/Glück oder Lust führt.

Der Spieler/die Spielerin wird hier eindeutig bejahen. Wer süchtig nach Gewinn geworden ist z.B. beim Spielautomaten, erlebt intensive Gefühle, die nach Wiederholung schreien, aber nie befriedigt zu werden scheinen, denn die Einsätze müssen erhöht werden. Der Gewinnmaximierung steht im psychischen Apparat dem Optimierungsdrang gegenüber.

Und Burnout ist die Krankheit der fleißigen Optimierer. Es ist eine Ehre zu erkranken. Wer nicht erkrankt, ist anrüchig, zumindest in machen Bevölkerungsteilen.

Corona hat uns ein stilles Genießen ermöglicht. Wir versäumen nichts und das lässt uns wieder durchatmen. Bis uns drohender Arbeitsplatzverlust wieder an der Stange hält. Man könnte meinen, Konsum ist das Gebot der Stunde. Flüge werden noch billiger, und es ist beinahe asozial keinem Kaufrausch zu erliegen. Es ist der Moment, wo besorgte JournalistInnen Gewerkschafter fragen, ob es angesichts der Situation denn legitim ist, ArbeitnehmerInnengesetze ernst zu nehmen.

Die Stunde der Staatshilfen hat geschlagen: jene, die bislang den Staat schlank sehen wollten, stehen Schlange an der Ausgabe.

Kapitalismus verursacht Extreme: die bipolare Erkrankung der Gesellschaft. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Die Krankheit, die es nicht gibt - Burnout - fühlt sich an, als ob die Achterbahn einen ausgespuckt hätte.

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