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Gesellschaftspolitik und Psychotherapie

von Ursula Narath

Wir sägen am Ast, auf dem wir sitzen

Der Sager von Herrn Geisler ("widerwärtiges Luder") ist erfrischend! Endlich herrscht Offenheit, Ehrlichkeit und Volksnähe. Ich gehe soweit zu sagen, es handelt sich um ein Geschenk, wie wenn sich in der Therapie ein unbewußter Mosaikstein zeigt. Kein Interview ist so erhellend, zumindest nicht in der türkisen Blase. Außer vielleicht noch beim salzburger Landeshauptmann, wenn er, ob der gestrichenen Inlandsflüge der AUA, den Bedeutungsverlust von Salzburg beklagt. Was ist eine Klimakrise gegen den B e d e u t u n g s v e r l u s t  von Salzburg? Man fragt sich ohnehin, wieso so ein Aufhebens um ein paar mehr an Plusgraden gemacht wird. Vielleicht reguliert sich das Weltklima dahingehend, dass der salzburger Schnürlregen die Jedermann-Aufführungen seltener stört. Schlecht?

Alles läuft wie geschmiert in die richtige Richtung, in die Richtung der 2 Klassen. Dort will Österreich auch hin. Seit der konservativen Wende im Jahr 2000, als die Österreicherinnen und Österreicher begonnen haben den Zusammenhalt abzuwählen.

Im Gesundheitssystem erleben wir das hautnahe. Wer kann, geht zur Wahlärztin, wer kann, spart Steuern, wer kann, nimmt aus dem Härtefallfond Geld, auch wenn das eigene Sparbuch prall gefüllt ist. Korruption und Schlitzohrigkeit ergreifen die gesamte Gesellschaft. Die Putzfrau, die schwarz arbeitet, den VP Lobbyisten, der sich bestechen läßt.

Das Gesundheitssystem ist völlig unterfinanziert. Zu wenige zahlen ein, die Leistungen werden zurückgefahren. Noch vor wenigen Jahren waren für verschiedene psychische Leiden die Ausmaße an Behandlungsstunden deutlich höher als heute. Weil wir schneller gesund werden? Wohl eher nicht.

Aber es finden sich auch in allen Schichten Meinungen wie: "Wenn die Anderen sich nehmen, warum soll nicht ich auch?".

Die ehemals sozialdemokratischen WählerInnen, die zur Humpti-Dumpti Partei wechseln, erklären das mit der Nehmerqualität der Ausländer.

Die gut Verdienenden beschützen ihren Reichtum mit dem Blick auf Jene, die in Österreich gar keine Steuern zahlen, wie Amazon und Co. Die Reduktion von Schuldgefühlen klappt damit bestens.

Und dabei ist Österreich immer noch eines der reichsten Länder, bei 17 % armutsgefährdeter Menschen. Wie geht das zusammen? Die Ungleichheit in Gesellschaften schreitet voran, beflügelt durch das längst überwunden geglaubte Erstarken theokratischer Bewegungen. Nicht Bildungsferne bedroht unsere Kultur, sondern mangelnde Herzenswärme. Die Mutter, die ihrer Tochter nicht vergönnt ein besseres Leben zu haben als sie selbst, sie in Abhängigkeit zur destruktiven Familie hält und ihrer Entfaltung entgegen steht.

Wissenschaft gegen Religiosität/ Forschung gegen Fake news/ Mitmenschlichkeit gegen Egoismus.

Der Bauer, der sein Produkt zu beschämend niedrigen Preisen verkaufen muss, könnte solidarisch sein mit der Wissenschafterin, die viele Jahre studiert hat, um mit einem beschämend niedrigen Gehalt ihren Beitrag in der Gesellschaft zu leisten. So aber kauft sie Billiglebensmittel aus Spanien und er schimpft auf die "Gschtudierten".

Die Risse in unserer Gemeinschaft werden stärker.

 

 

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