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Sprachlosigkeit/ sprechen

von Ursula Narath

 
Zuletzt wurde in Österreich im Zuge der Pandemie sehr häufig über Zusammenhalt und einschneidende Veränderungen unserer Lebenswirklichkeit öffentlich diskutiert, Stichwort Impfpflicht und Eingriff in Persönlichkeitsrechte. Die Stimmung ist aufgeheizt: einerseits herrscht Angst vor der Impfung, andererseits herrscht Angst vor Impfunwilligen.
Das Resultat ist ein Unverständnis für den jeweils anderen Standpunkt, was Gewalt und Misstrauen sät.
 
Die fortschreitende Korruption im politischen System, im Wirtschaftssystem, im Alltag beschleunigt die Destabilisierung. Korruption ist mehr als ein Finanzdelikt, sie ist das Ausscheren aus Vereinbarungen, eine egoistische Selbstbemächtigung auf Kosten anderer.
Unsere Demokratie ist eine sensible Größe, die dzt schwer in Mitleidenschaft gezogen ist, das ohnehin fragile Gesellschaftssystem schwankt. Unüberbrückbare Fronten entstehen. Das Auseinanderstreben hat (wieder) Einzug gehalten. Österreich ist reicher und ärmer zugleich geworden.
 
Aber es kommt noch schlimmer: Ein Herrscher greift nicht mehr nur über Propaganda/fake news und andere manipulative Maßnahmen in die Souveränität eines Nachbarstaates ein, er greift zu physischer Gewalt. Alles Diskutieren hat ein Ende, die Zerstörung gewinnt die Oberhand.
Erschütternd ist neben dem Leid für Menschen, dass in Ost und West, in Diktaturen wie in demokratischen Systemen, nach wie vor Millionen Menschen von einer Führerfigur in Geiselhaft genommen werden können. Auch hier ist Österreich keine Insel der Seligen.
 
Was tun? Zu oberst stehen die persönlichen, privaten Verbindungen, die eigenen Netzwerke, wo größte Aufmerksamkeit Not tut. Die Gefahr besteht, dass wir unsere Angst und unsere Lähmung in die innersten Beziehungen tragen, denn wohin sonst damit? Hier können wir selbst und jetzt mit erhöhter Aufmerksamkeit beitragen, indem wir sensibel für die eigenen Überforderungen und die unserer Liebsten sind.
Versuchen wir die gesellschaftliche Destruktion nicht in die Beziehungen dringen zu lassen.
 
 
 

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