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Wert der Arbeit

von Ursula Narath

 
Ein paar Gedanken zum Thema "Wert der Arbeit", im besonderen der psychotherapeutischen Arbeit:
Das österreichische Psychotherapiegesetz ist ein, im Ländervergleich, sehr offenes Gesetz im Hinblick auf die Zulassung von Berufs- bzw. Personengruppen zur Durchführung von psychotherapeutischen Behandlungen.
Das birgt Chancen und Gefahren besonders für PatientInnen. Die Psychotherapieszene ist für Menschen, die der Therapie bedürfen, unübersichtlich wie nie. Seit Jahren boomen Therapieausbildungen, sodass das Feld derer, die Krankenbehandlungen durchführen dürfen, undurchschaubar wird.
Um diesem Trend Einhalt zu gebieten versucht der Gesetzgeber mittels der Akademisierung entgegen zu wirken. Damit wurde allerdings keine wirksame Maßnahme gefunden.
Denn, es ist zwar möglich auf Privatuniversitäten zum "Doktor der Psychotherapiewissenschaften" zu graduieren. Leider prädisponiert aber eine akademische Ausbildung nicht zwangsläufig zum verantwortungsvollen, therapeutischen Handeln.
Heute ist es in Österreich z.B. möglich dass ein Bankbeamte, der den Golden Handshake erhalten hat, Psychotherapeut wird.
Ich denke, dass Psychotherapie aber eine Methode ist, wo sich Sensibilität und Fachwissen legieren sollten. Erfahrung ist ein wichtiger Faktor, genauso wie eine umfassende, regelmäßige Selbstreflexion.
Damit möchte ich zu den beiden Kernkritikpunkten kommen:
  • den "Golden Handshake" habe ich erwähnt, weil eine Therapieausbildung kostenintensiv ist, d.h. eine Therapieausbildung ist stets selbst zu finanzieren und bedeutet zusehends ein Auswahlkriterium, nämlich, wer sich das leisten kann und wer nicht.
  • Der andere Kritikpunkt bezieht sich auf die offizielle Honorarregelung. Die Krankenkassen bezahlen beschämende Honorare, weil argumentiert wird, dass ohnehin die meisten PsychotherapeutInnen durch besser zahlende "KundenInnen" ihr Leben bestreiten, also kann man für KassenkundInnen niedrige Honorarsätze bezahlen.Das Absurde an dieser Regelung ist: wer zu einem Kassentherapeuten kommt kann in jeden Fall damit rechnen, einer Fachkraft gegenüber zu sitzen, die Erfahrung und klinische Praxis mitbringt, bei anderen freiberuflichen TherapeutInnen ist das nicht selbstverständlich, obwohl diese KollegInnen häufig deutlich höhere Honorare von ihren PatientInnen fordern als KassentherapeutInnen.
 
Ich spreche mich in diesem Zusammenhang also klar für die bewährte Methode der Psychotherapieausbildung innerhalb der klassischen Vereine aus:
Meine Ausbildung habe ich in einer wissenschaftlichen Gemeinschaft - dem "Wiener Arbeitskreis für Psychoanalyse" - im Kreise langjähriger ExpertInnen absolviert. Das hat den Vorteil im regelmäßigen Austausch mit Profis zu stehen um sich entwickeln zu können.
Die Ausbildung endet nicht mit dem Abschluss sondern das therapeutische Wissen wird durch die Auseinandersetzung mit der KollegInnenschaft als lebenslanges Lernen ausgeformt.
Und: es ist bedeutend günstiger als in einer Privatuniversität, wo die finanziellen Interessen der Tätigen im Vordergrund stehen und die Ausbildungskosten sich in den Honorarforderungen amortisieren müssen.
 
Fortsetzung folgt
 

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